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2017: Wirtschaftswachstum höher als erwartet




Wer die kürzlich zu Ende gegangene Brünner Maschinenbaumesse besucht hat, nimmt den Eindruck mit nach Hause, dass Optimismus und Zuversicht was Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Tschechien anlangt, wesentlich stärker ausgeprägt sind als in den vergangenen Jahren. Besonders in der Maschinen- oder in der Automatisationsbranche sind österreichische Unternehmen in Tschechien sehr aktiv.

Bei einem Pressegespräch im Rahmen der Maschinenbaumesse präsentierten Christian Miller, Leiter der österreichischen Außenwirtschaft Prag und Martin Žák, Leiter des AustrianTrade Büros Brünn auf dem österreichischen Gruppenstand die aktuellen Zahlen zu den österreichisch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen.

Text: WKÖ, AußenwirtschaftsCenter Prag

Sowohl bei Exporten als auch bei Importen wurden im 1. Quartal 2017 starke Zuwächse verzeichnet – unsere Ausfuhren stiegen um 11,2% auf EUR 1,28 Mrd. und die Einfuhren um 14,8% auf EUR 1,6 Mrd. Dies ist umso beachtlicher, da bereits 2016 der österreichisch-tschechische Warenhandel einen neuen Rekordwert beim Volumen (EUR 10,66 Mrd.) gebracht hat. Ein Blick in die detaillierte Aussenhandelsstatistik zeigt, dass es im gegenseitigen Warenhandel bei allen Warenkapiteln teils zu kräftigen Steigerungen kam. Dynamisch enwickelt hat sich wieder die mit Abstand wichtigste österreichische Ausfuhrposition - „Maschinen und Verkehrsmitteln“ - mit einem Anteil von 42% an den Gesamtexporten - hier konnten wir um 15% zulegen. Besonders erfolgreich waren dabei (Reihung nach wertmäßiger Bedeutung am Export): Straßenfahrzeuge und –zubehör (+10%), elektrische Maschinen und Geräte (+17%), Arbeitsmaschinen (+27%), Kraftmaschinen und - ausrüstungen (+11%) sowie Schienenfahrzeuge (+150%). Einen Exportdämpfer mussten die Anbieter von Büro- und EDV-Maschinen (-44%), Maschinen für besondere Zwecke sowie Metallbearbeitungsmaschinen (jeweils -2%) hinnehmen. Aktuell ist Tschechien für Österreich mit einem Anteil von 3,6% weltweit hinter Deutschland, USA, Italien, Frankreich und der Schweiz die sechstwichtigste Exportdestination, importseitig nimmt es mit 4,3% nach Deutschland, USA, Italien, China, Schweiz ebenfalls den sechsten Rang ein. Damit ist Tschechien aktuell für Österreich weltweit der sechstwichtigste Ausfuhrpartner und in Mittel- und Osteuropa der wichtigste Export- und Handelspartner. Zwischen Österreich und Tschechien besteht auch ein reger Austausch von Dienstleistungen, dessen Dynamik mit einem Plus von mehr als 7% hoch ist: Laut Österreichischer Nationalbank (ÖNB) realisierte 2016 Österreich Erlöse in Höhe von 1,4 Mrd. EUR in Tschechien und Tschechien Erlöse von 1,2 Mrd. EUR in Österreich. Neben dem Reiseverkehr hatten Transportdienstleistungen und sonstige unternehmerische Dienstleistungen den größten Anteil. Laut ÖNB beläuft sich der Bestand österreichischer Direktinvestitionen in Tschechien per Ende 2016 auf EUR 12,4 Mrd. Für österreichische Firmen ist Tschechien damit weiterhin nach Deutschland (EUR 26 Mrd.) und den Niederlanden (EUR 22,7 Mrd.) weltweit das drittwichtigste Zielland für Direktinvestitionen. Was das Einkommen (ausgeschüttete als auch reinvestierte Gewinne sowie Nettozinserträge aus konzerninternen Finanzierungen) betrifft liegt laut ÖNB Tschechien mit EUR 1,7 Mrd. weltweit an der Spitze – weit vor Deutschland (EUR 1,1 Mrd.) und den Niederlanden (EUR 530 Mio.) Laut tschechischer Nationalbank (CNB) beläuft sich der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in Tschechien auf insgesamt EUR 107,1 Mrd. - die Topinvestoren sind die Niederlande (Anteil: 24%), Österreich (13,4%) und Deutschland (12,9%) und Luxemburg (12,2%), diese vier Länder haben somit zusammen einen Anteil von 63% der ausländischen Direktinvestitionen.


2017: Wirtschaftswachstum höher als erwartet

Für die Wirtschaft Tschechiens hat das Jahr gut begonnen: das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal im Jahresvergleich um 2,9% - die Prognosen lagen bei 2,3%. Gegenüber dem vierten Quartal 2016 stieg es um 1,3%. Zu dieser positiven Entwicklung trugen vor allem die hohe Auslandsnachfrage und der weiterhin steigende Inlandsverbrauch bei. Fast alle Wirtschaftssektoren konnten einen Zuwachs verzeichnen – nicht nur die verarbeitende Industrie, sondern auch viele Dienstleistungsbereiche. Die gute Konjunktur wirkt sich weiterhin auf den Arbeitsmarkt aus. Die bereits im Vorjahr sehr niedrige Arbeitslosenrate – die niedrigste in der EU - hat sich weiter verringert. 

Die Investitionsaktivität ist im 1. Quartal 2017 im Vergleich zum 1. Quartal 2016 um 0,6% gesunken, vor allem durch den Rückgang von Investitionen in Gebäude. Im Vergleich zum 4. Quartal 2016 sind die Bruttoanlageinvestitionen aber um 3,6% gestiegen. Die Industrie (inkl. Bergbau und Energie) wuchs im 1. Quartal 2017 um 8%, wobei sich der Output in der verarbeitenden Industrie um 8,7% erhöhte. Rückgrat der Industrie und Wirtschaft bleibt weiterhin konkurrenzlos die stark exportorientierte KFZ- und KFZ-Teile-Industrie mit einem Anteil von rund 20% an der industriellen Wertschöpfung und rund 18% an den Gesamtexporten. Im ersten Quartal erhöhte sich die Produktion in dieser Branche um 15%, weitere Industriezweige mit hervorragendem Wachstum waren die Chemieindustrie (+22%), die Kunststoffindustrie (+11%), die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+11%), die pharmazeutische Industrie (+9%) und die Erzeugung von elektrischen Einrichtungen (+10%). Nach dem Rekordjahr 2016 (Produktion von 1,35 Mio. Fahrzeugen) hält die Automobilindustrie auch 2017 das Tempo und treibt die tschechische Wirtschaft, die Industrieproduktion und den Export weiterhin an. Im 1. Quartal wurden 389.228 KFZ (davon 387.342 PKWs) hergestellt – um 10,7% mehr als im 1. Quartal 2016. Ausgezeichnet lief es vor allem für den größten PKW-Erzeuger - ŠKODA Auto - der seine Inlandsproduktion um 19% steigerte. Gut lief es für Hyundai (+7,8%), einen Rückgang von 10,4% musste aber TPCA (Toyota Peugeot und Citroen) hinnehmen. Eine positive Entwicklung verzeichnete auch die LKW Produktion aufgrund der Renaissance von TATRA Trucks (Produktionsanstieg im 1. Quartal: +72%) und bei den Autobusproduzenten IVECO (+5%) und SOR (+3,7%). Die Umsätze im Dienstleistungssektor legten im 1. Quartal im Jahresvergleich um 7,6% zu - besonders gut ging es der Unterkunftsbranche (+21%), dem Bereich Transport und Logistik (+8%) und der IKT-Branche (+6%). Auch 2017 will die Bauwirtschaft nicht so richtig in Schwung kommen: die Bauproduktion insgesamt stagniert im ersten Quartal mit -0,1%, wobei der meist privat finanzierte Hochbau um 3,9% gewachsen, der vorwiegend aus öffentlichen und EUQuellen finanzierte Tiefbau (Verkehrswege und Umweltschutzbauten) jedoch um 13,4% gefallen ist. Hauptgrund für den Rückgang der Bauwirtschaft ist in erster Linie der Mangel vergabebereiten Infrastrukturprojekten, vor allem von Seiten des öffentlichen Sektors. Projekte aus der EU-Förderperiode 2014 – 2020 kommen nur langsam ins Laufen. Im 1. Quartal wurde zwar bei der Vergabe öffentlicher Aufträge ein Zuwachs von 69% registriert und insgesamt um über 8% mehr Baugenehmigungen erteilt – allerdings muss auch gebaut werden, was durch die ausgeprägte Bürokratie oft verhindert wird. Ob sich die Bauwirtschaft heuer erholen wird – darüber sind die Meinungen der Baufachleute unterschiedlich. Aber auch im optimistischen Fall wird es nicht zu einem bedeutenden Wachstum kommen.