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Třebíč: Das Corona-Wunder
06.05.2020
GLOSSE
von Wolfgang Martin
Da gibt es eine Stadt in der unaussprechlichen Region Vysočina, an der das Corona-Virus keinen Gefallen fand: Třebíč. Und das, obwohl regelmäßig asiatische Touristen und Bürger aus aller Welt - Třebíč hat mit dem jüdischen Ghetto und der Basilika St. Prokop zwei in der Liste der UNESCO eingetragene kulturelle Sehenswürdigkeiten - die Stadt besuchten. Wie Insider wissen, ist unser Redaktionsbüro in Třebíč, und das haben wir ausgesucht, weil die Einwohner dieser Stadt für tschechische Verhältnisse ein wenig anders sind. Was sich wieder einmal bestätigt hat. Wir konnten also vor Ort erleben, wie sich die Menschen in der Zeit des Notstands verhielten und noch verhalten.

Frei nach den Schwejk'schen Prinzip: "Wir machen alles, was die Obrigkeit befiehlt, aber wir machen es doch nicht." Man hielt sich sich zwar brav an die Maskenpflicht, doch ging es an die Bierschenke (das Ausschenken von Bier und das Abholen von Speisen - allerdings nur zum Mitnehmen - ist den Gastronomen erlaubt), war von Maske und Mindestabstand keine Rede mehr. Es wurde in der Gruppe Bier getrunken, diskutiert, die mitgebrachte Rumflasche wanderte von Mund zu Mund, man umarmte und küsste einander wie auch seinerzeit. Die Obrigkeit wurde in den Diskussionen schärfstens kritisiert, von einer Angst, krank zu werden, war nichts zu spüren. Die Polizei griff nicht ein, und war auch nicht präsent. Man hatte sogar das Gefühl, dass sie sich mit den Bürgern solidarisierten. Nur einmal kam es zu einem Zwischenfall, als die Zeit der Ausgangsbeschränkung überschritten war und ein Betrunkener sich weigerte, nach Hause zu gehen. Der Polizist drohte, ihn einzusperren, worauf dieser antwortete: "Wo ist der Unterschied?". Improvisierte private Hinterhoffeste entstanden, und die "Garagenkneipen", wie einst im Kommunismus, feierten ihre Auferstehung. So mancher Wirt vergaß, die Hintertür abzuschließen. 

Die Tschechen sind an sich sehr disziplinierte Menschen, aber entzieht man ihnen das Bier und das gemütliche Zusammensitzen, dann ist Feuer am Dach. Möglicherweise ein Grund, warum die Gemeinde und die Polizei die jedermann bekannten Aktivitäten stillschweigend akzeptierten - und noch immer akzeptieren. Strafen gab es meines Wissens nach keine. Der Grund, warum ich diesen Situationsbericht, den mir viele nicht glauben werden, dessen bin ich mir bewusst, hier niederschreibe, ist der Absurdität geschuldet, dass es in Třebíč keinen einzigen Coronakranken gibt (Stand: 7.5.2020, siehe Statistik). Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wie ist das möglich? Haben sich die Menschen durch ihr undiszipliniertes Verhalten immunisiert? Tötete die Wut über die Einschränkungen das Virus ab? 

Medizinisch ist das Phänomen wohl kaum erklärbar. Třebíč ist zwar nicht gerade eine Tourismusmetropole, aber eine Kulturstadt mit vielen kulturellen Veranstaltungen und hat immerhin 38.000 Einwohner. Eine Auffälligkeit gibt es allerdings noch. Rund um die Atomkraftwerke Dukovany und Temelín gibt es kaum Coronafälle. Vielleicht ist ein bisschen "Bestrahlung" doch nicht so schlecht. Dazu kommt, dass, wie in den gesamten ehemaligen Oststaaten, die medizinische Versorgung wesentlich besser funktioniert als im westlichen Europa - vor allem, was präventive Maßnahmen und die Altersvorsorge betrifft. Die Corona-Krise hat diese Tatsache wieder einmal eindeutig bestätigt, und den Weststaaten wäre zu empfehlen, ihre Arroganz zu überwinden, weniger in Propaganda zu investieren, sondern einfach von den Staaten, wo es besser klappt, zu lernen. Vielleicht ließe sich auf diese Weise ein zweiter Wahnsinn in diesem Ausmaß verhindern.
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Corona-Statistik für die Stadt Třebíč, abgerufen am 7.5.2020, 21h. Quelle: Ovulation Calculators