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Isolations-Hardliner schwenkt um auf "Herdenimmunität"
Innerhalb von nur wenigen Tagen surfte Vize-Gesundheitsminister Roman Prymula von einem Ende des Meinungsspektrums zum anderen. Prymula war von Beginn der Ausrufung des Notstandes bis zum 30. März Chef des Corona-Krisenstabs. In dieser Funktion hat er dank seiner Expertise als Epidemiologe einen extrem harten Kurs, vor allem was die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und die Grenzschließungen betrifft, vorgegeben. Er schockierte die Bürger, indem er eine Ein- und Ausreisesperre von "bis zu zwei Jahren" in Aussicht gestellt hat. Ganz andere Töne hörte man jüngst in einem Interview für DVTV: Prymula sprach davon, große Teile der Bevölkerung "der Krankheit auszusetzen".
09.04.2020
Man musste genauer hinsehen, ob sich nicht doch ein Doppelgänger einen verspäteten Aprilscherz erlaubt hat. Aber es war tatsächlich der in den letzten Tagen medial omnipräsente Epidemiologe, der sichtlich von seinem ursprünglichen Kurs abgekommen ist. "Sofern man die Risikogruppen schützen kann, sollte der Rest der Bevölkerung der Krankheit ausgesetzt werden. Das betrifft natürlich nicht alle Menschen hierzulande, aber sicher diejenigen, bei denen der Verlauf nicht schlimmer wäre als bei einer Grippe. Vor allem bei Jüngeren und Bürgern ohne Vorerkrankung dürfte es da kein Problem geben", ließ Prymula gegenüber DVTV aufhorchen.
Roman Prymula 
Bild:  Ministerstvo zdravotnictví České republiky
Auch Prymulas Chef im Ressort, Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos für ANO), argumentierte ähnlich wie er, wenn auch in abgeschwächter Form: "Da die Einschränkungen schrittweise zurückgenommen werden, kommt es möglicherweise zu vermehrten Ansteckungen in der Bevölkerung. Das wäre dann eine natürliche Form der Immunisierung der Menschen hierzulande", erklärte Vojtěch. Premier Andrej Babiš hat allerdings sofort auf Prymulas Vorstoß reagiert und gegenüber den Medien seine Skepsis zum Ausdruck gebracht. "Ich denke, dieser Weg ist sehr riskant. Ich selbst bin kein Epidemiologe, weshalb die zentrale epidemiologische Kommission ein solches Konzept bewerten müsste. Ich persönlich kann mir das aber nicht vorstellen, denn wir setzen auf eine Eliminierung des Erregers und einen aktiven Kampf gegen weitere Ansteckungen", sagte Babiš, der im Kampf gegen das Corona-Virus lieber auf "Smart Quarantäne", also auf die Überwachung der Handydaten in Tschechien setzen will.

Prymula feierte mit der Corona-Krise eine politische Wiedergeburt. Er wurde vom damaligen Gesundheitsminister Svatopluk Němeček (ČSSD) als Chef der Fakultätsklinik in Königgrätz entlassen, weil er im Interessenskonflikt mit der Firma Biovomed, die seiner Tochter gehörte, stand. Anfang 2019 erhielt der mittlerweile zum Vizeminister aufgestiegene Arzt die Auflage, bis März 2020 die Umstände rund um durchgeführte Ausschreibungen aus jener Zeit offenzulegen. Die Behörden haben den Fall noch nicht endgültig geprüft, und eigentlich wollte Prymula schon seinen Rücktritt ankündigen, um sich "mehr der Forschung zu widmen". Aufgrund der Notstandslage hat die Regierung einen eigenen Beschluss gefasst, der es dem Epidemiologen ermöglicht hat, den Krisenstab zu leiten. Nach zwei Wochen löste ihn Innenminister Jan Hamáček (ČSSD) in dieser Funktion ab. Obwohl Prymula auf der Webseite von ANO zu sehen ist, dementierte er eine Mitgliedschaft in dieser Partei. Bei den Senatswahlen 2014 bewarb sich Prymula im Wahlkreis Königgrätz für die von Präsident Miloš Zeman gegründete Partei SPO.
prymula